FTTB Ausbaupläne liegen in den Schubläden der Städte

Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Kreis Höxter (GfW) bestätigte, dass die Bürgermeister über entsprechende Pläne verfügen.

Steinheim-Rolfzen/Bad Driburg.

(sk) Der SGK-Kreisverband Höxter-
(Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik in Nordrhein-Westfalen) ludt interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer Infoveranstaltung am 14.04.2018 ins Dorfgemeinschaftshaus in Rolfzen rund um den Breitbandausbau im Kreis ein.
Insgesamt dauerte die Veranstaltung 2,5 Stunden. Anschließend wurde zum kleinen Imbiss geladen.
(Wir informierten!)

Referenten waren:
Michael Stolte – Gesellschaft für Wirtschaftsförderung
Kai-Timo Wilke – Fa. Sewikom, Beverungen

Zunächst führe Andreas Suermann, Vorsitzender des Kreisverband SGK in die Veranstaltung ein und bat die Zuhörer zunächst ihre Vorstellungen und Fragen zu äußern, um dann die Veranstaltung darauf abzustimmen. [Anm. diese Vorgehensweise ist bei diesem komplexen Thema sehr zu empfehlen]

Es war allg. Konsens, nicht zu ausführlich auf die bekannten Dinge einzugehen, sondern den Blick stärker auf den Ausbau und die zukünftigen Planungen zu legen.

Zunächst begann Herr Stolte mit einigen allgemeinen Bemerkungen.

Er sagte, dass es im BMVI-Förderverfahren in NRW lediglich 3 Verfahren gäbe. Alle Ausschreibungen sind auf www.breitbandausschreibungen.de öffentlich einsehbar.

Kreis Olpe [Anm. schlechtes Beispiel, da auch nur FTTC-Ausbau]

http://www.kreis-olpe.de/Tourismus-Wirtschaft/Wirtschaft/Breitbandversorgung

Stadt Emsdetten (FTTB, Betreibermodell Stadtwerke)

https://www.emsdetten.de/magazin/artikel.php?artikel=3756

[Anm.1. Emsdetten hat über die Ausschreibungsparameter 100 MBit/s symmetrisch die Behelfstechnologie FTTC ausgeschlossen. Anm.2. Im o.g. Ausschreibungsportal finden sich für NRW jedoch deutlich mehr BMVI Ausschreibungen.]

Weiterhin begründete er erneut seine Entscheidung für das NRW-Förderprogramm , da es etwas schneller, aber vor allem einfacher, als das BMVI-Förderprogramm des Bundes handzuhaben sei.

Die Aufgreifschwelle liegt derzeit bei 30 Mbit/s
[Anm. In den Ortschaften ist dies aber weitgehend der Fall, siehe Karte der weißen NGA-Flecken.]

Herr Stolte erwähnte die beiden Modelle Wirtschaftlichkeitslücke und das Betreibermodell.

Bezüglich des BMVI-Förderprogrammes sagte er, dass momentan das Geld aufgebraucht sei.
[Anm. das muss aufgrund völlig anders lautender Presseberichte überprüft werden]


Nun gab Herr Stolte überraschend und für alle Zuhörer, ca. 30 Gäste, erstaunend bekannt, dass die von MICUS erstellte Masterplanstudie von 2015 eine komplette FTTB-Planung enthält. Der FTTB-Netzplan mit Hauskoordinaten ist im Geoinformationssystem GIS hinterlegt und durch die betreffenden Mitarbeiter der Stadt einsehbar. Insofern sei eine Mitverlegung der sog. Micro-Rohrsysteme (hier werden später die Glasfaserleitungen eingeblasen) möglich.


Herr Wilke führte hierzu allerdings aus Sicht der Bauplanung aus, dass ausgehobene Gräben der betreffenden Baumaßnahme noch für die Verlegung der Micro-Rohrsysteme und der Hausanschlüsse nachgearbeitet bzw. angepasst werden müssen.

Weiter betonte er, dass der HVt-Nahbereichsausbau durch die Telekom bis Ende 2018 abgeschlossen sein muss.
[Anm. Auf Nachfrage bei der Telekom sei allerdings der Ausbau in Bad Driburg Kernstadt und Neuenheerse nicht vorgesehen. Siehe auch Ausbauliste in

https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/160000-haushalte-auf-dem-land-surfen-schneller-521292]

Er zeigte am Beispiel des Ausbaugebietes Warburg einen Bereich, in dem es viele Außenbereiche und Einzelgehöfte gibt, die in den Bereich von insgesamt 5% aller Anschlüsse fallen, die wirtschaftlich nicht ausgebaut werden können. Ein Ausbau dieser letzten 5% würde die Kosten um 30-40% erhöhen.
[Anm. Das derzeitige Verfahren generiert Fördermittel die weit unter den max. 15 Mio € pro Kommune (!) im BMVI-Verfahren liegen. Es wäre also enorm viel Luft nach oben auch diese Bereiche auszubauen.]

Die Ausschreibung musste technologieneutral erfolgen. Eine Beeinflussung der Technologie sei nur über den Parameter „Geschwindigkeit“ möglich.
[Anm. Bei den Gewerbegebieten Bad Driburg wurde mit 100 Mbit/s symmetrisch FTTC verhindert. Eine Reihe von Städten und Gemeinden haben dies auch bei Wohngebieten so gemacht und 100 bzw. sogar 200 Mbit/s symmetrisch ausgeschrieben.]

Er verwies noch auf spezielle Förderprogramme zur Mitverlegung von Leerrohren.

Hinsichtlich der nutzbaren Strukturen sei der Kreis Höxter gut aufgestellt
[Krit. Anm. Ist dies auf ein FTTC-Netz mit 50 Mbit/s oder auf ein terabitfähiges FTTH-Netz bezogen? Diese Leitungen sind teilweise 20-30 Jahre alt. Der Kreis Höxter hat immerhin 141.000 Einwohner.]

Abschließend forderte er jede Kommune auf, das Thema Glasfaser aufzugreifen.

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Nach einer kurzen Pause setze Herr Wilke fort:

Zunächst stellte er seinen Gerätepark vor:

Vibrationspflug (kann bis max. 6 Rohre übereinander bis 1,20 Tiefe verlegen)
Grabenfräse schaffen jeweils 700m am TagHorizontalbohrer mit Erdrakete

Das Verlegeverfahren Microtrenching soll wegen der zu geringen Verlegetiefe nicht zum Einsatz kommen. Es wird eine Verlegetiefe von 60cm angestrebt, an Landstraßen aufgrund neuer Bestimmungen 80cm. Die Verlegeleistung liegt für (1) und (2) bei 700m am Tag. Um diese zu erhöhen soll im Zweischichtbetrieb gearbeitet werden. Das Einblasen der Glasfaserleitungen ist bis zu 2km durchgängig möglich. Es werden 190 km bestehende Leitungen der Backbone angemietet und 250km neu gebaut.
[Anm. Im Kreis Siegen-Wittgenstein werden insges. 861 km Glasfaserkabel verlegt]

Beim Ausbau übernehmen die MultiFunktionsGehäuse die Rolle eines PoP’s, ein größerer PoP – wie er beim FTTH-Ausbau üblich ist – wird nicht aufgestellt.

Herr Wilke erläuterte sein Angebot für einen FTTH-Ausbau im Nachgang zum FTTC-Ausbau. Grundsätzlich ist aber FTTH in der ersten Ausbauphase nicht vorgesehen, da die Ausschreibungsparameter dies nicht erlauben. Ein FTTH-Anschluss kostet einmalig 1000€ an Baukostenzuschuss, kann aber nur bei einer gewissen Quote pro Straße realisiert werden. Die Technik im MFG (Nokia) kann FTTC und FTTH verarbeiten. Er betonte, dass er hierbei auf PtP setzt und nicht auf GPON (bei GPON müssen sich 32 Anschlüsse eine Faser teilen).

Eine Bürgerinitiative in Marienmünster OT Kleinenbreden (16 Einwohner) hat mittels Ortsvorsteher eine FTTH-Nachfragebündelung von 60% auf den Weg gebracht.

Abschließend bezog Herr Wilke noch selbstkritisch Stellung zum bestehenden Ausbau mit Richtfunk. Dieser hat einen hohen Wartungsaufwand und war ursprünglich nur auf 2 Mbit/s ausgelegt, wurde dann aber auf „bis zu“ 16 Mbit/s erweitert. Er hat 4000 Kunden mit dieser Technologie im Bestand.

Wilke beendete seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass er diese Veranstaltung ggf. gern auf Einladung in anderen Ortschaften wiederholen könnte.

Insgesamt, so die Bürgerinitiative www.Glasfaser-jetzt.com, eine sehr gelungene Veranstaltung. Ein großes Lob an alle Beteiligten.