Anbieter halten versprochene Datenübertragungsraten nicht ein

In Welt.de vom 17.01.2018 spricht der Autor Thomas Heuzeroth von der „frechen deutschen Breitbandlüge“.

Die Bundesnetzagentur legte im Dezember 2017 ihren Jahresbericht vor. Ein Kapitel widmet sich der Breitbandmessung. Die Agentur ließ 437.192 stationäre und 245.143 mobile Anschlüsse testen. In die Wertung kamen 41 Anbieter, von denen Unitymedia mit 37,1 % die besten Ergebnisse erzielte. Die Telekom erreichte 3,2 %, Schlusslicht war Aco.

Wie der Präsident der Netzagentur Jochen Homann erläuterte, ist besonders in ländlichen Gebieten die Versorgung mit hohen Bandbreiten „unzureichend“. Es gibt jedoch unterschiedliche Ergebnisse je nach Anbieter. Die Anbieter verweisen gern auf das Kleingedruckte: Es sichert „bis zu“ einer bestimmten Geschwindigkeit zu.

Die Netzagentur stellt ein Breitbandmesstool bereit, mit dessen Hilfe jeder Nutzer selbst messen kann, wie hoch die Leistungsfähigkeit seines Internetzugangs ist. Die Agentur berät auch mit Hilfe von Informationsblättern im Umgang mit den Verträgen.

Nur 12,4 % der User bekamen die maximale Datengeschwindigkeit oder mehr, die ihr Anbieter ihnen vertraglich zugesichert hatte.

28,4 % der Internetnutzer erhielten nicht einmal die Hälfte der Maximalgeschwindigkeit.

Nur 4,6 % kamen bei einer Vereinbarung von 8 bis 18 Megabit auf die max. Geschwindigkeit.

TV-Kabelbetreiber sagten den Nutzern 200 bis 500 Mbit/s zu, doch vor allem in den Abendstunden sinkt die Geschwindigkeit stark ab.

Im Mobilfunk kamen nur 1,6 % auf die zugesagte max. Geschwindigkeit. 18,6 % erreichten mindestens die Hälfte, etwa 80 % nicht einmal die. Beim Anbieter Base erreichten 8,3 % der Nutzer die zugesagte max. Geschwindigkeit. Bei der Telekom waren es 0,5 %. Das schlechteste Ergebnis hatte mit 0,4 % der Anbieter Sparhandy.

Im Jahr 2017 waren die Ergebnisse noch schlechter als im Jahr davor. Einige Anbieter sagten 2017 höhere Datenübertragungsraten zu als 2016, die sie dann nicht einhalten konnten. Die Netzagentur spricht vom „reduzierten Verhältniswert“.

Aus der Breitbandmessung lässt sich nicht ableiten, wie die einzelnen Regionen versorgt oder welche Geschwindigkeiten dort verfügbar sind. Die Tarife sind zu unterschiedlich.

„Deutliche Fortschritte“ wurden laut Netzagenturbericht erzielt, doch im Vergleich zu anderen Ländern schneidet Deutschland als Unternehmensstandort immer noch schlecht ab. Auch im bisher noch zurückhaltenden privaten Bereich werden sich im Festnetz wie im Mobilfunk die Anforderungen an gigabitfähige Infrastrukturen erhöhen.

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